DecaPolice bleibt eines der auffälligeren Projekte von Level-5, braucht aber noch länger. Das Crime-Suspense-RPG wurde im Rahmen von LEVEL-5 Vision 2026 II Dream erneut gezeigt und ist nun für 2027 eingeplant. Zugleich soll es zur Tokyo Game Show 2026 spielbar sein. Für ein Spiel, das seit seiner Enthüllung zwischen Detektivabenteuer, Rollenspiel und Science-Fiction-Krimi pendelt, ist diese Verschiebung ärgerlich, aber nachvollziehbar.
Die neue Lage ist klarer als bei vielen früheren Funkpausen: Level-5 hat nicht nur einen Trailer gezeigt, sondern auch den nächsten öffentlichen Prüfstein genannt. Besucher der Tokyo Game Show sollen Ende September selbst Hand anlegen können. Damit verschiebt sich die Frage von “Kommt das Spiel überhaupt voran?” zu “Wirkt die Mischung aus Ermittlungen, virtueller Stadt und Kämpfen endlich rund?”
2027 statt 2026
Gematsu berichtet, dass Level-5 DecaPolice vom bisherigen 2026-Zeitfenster auf 2027 verschoben hat. Geplant ist das Spiel weiter für PS5, PS4, Switch, Switch 2 und PC via Steam. Nintendo Everything ordnet die neue Präsentation ähnlich ein: DecaPolice und Snack World Reloaded sind weiter in Arbeit, beide sollen 2027 erscheinen und bekamen neue Trailer. Für Level-5 ist das eine heikle, aber immerhin konkrete Botschaft.
Heikel ist sie, weil das Studio gerade viele Marken gleichzeitig neu sortiert. Professor Layton and the New World of Steam hat inzwischen einen festen Termin im Dezember, während Inazuma Eleven weiter über Updates, Nachfolger und Plattformpflege sichtbar bleibt. DecaPolice dagegen braucht mehr Vertrauen, weil der Titel keine reine Nostalgiekarte spielt. Er muss erklären, warum sein Konzept heute frisch wirkt.
Was DecaPolice besonders macht
Der Kern bleibt spannend. Auf der offiziellen Website beschreibt Level-5 DecaPolice als Detektivgeschichte rund um DECASIM, eine virtuelle Kopie einer realen Stadt. In dieser Simulation liegen Erinnerungen vergangener Verbrechen, Hinweise und Tatabläufe. Ermittler sammeln Spuren, ordnen Beweise auf einem Case Board und übertragen Erkenntnisse zurück in die reale Welt.
Das ist mehr als Kulisse. Die Idee erlaubt, klassische Deduktion mit digitaler Rekonstruktion zu verbinden. Statt nur Tatorte abzusuchen, kann das Spiel mit Perspektiven, Zeitpunkten und widersprüchlichen Daten arbeiten. Genau darin liegt der Reiz: Ein Fall muss nicht nur gelöst werden, er muss erst aus einer künstlich nachgebauten Stadt heraus verstanden werden.
Gleichzeitig ist DecaPolice kein stilles Visual-Novel-Projekt. Level-5 beschreibt auch Konfrontationen mit Tätern, die sich in “Crime Beasts” verwandeln können. Dann greifen RPG-Kämpfe, futuristische Hilfsmittel und Verhaftungen ineinander. Diese Kombination ist riskant. Zu viel Kampf kann die Ermittlungsfantasie verwässern, zu wenig Systemtiefe lässt die Action wie Pflichtprogramm wirken.
Die TGS-Demo wird wichtig
Darum ist die angekündigte TGS-Demo so wichtig. Trailer können Atmosphäre, Figuren und Schlagworte verkaufen, aber DecaPolice steht und fällt mit dem Rhythmus zwischen Sammeln, Kombinieren, Schlussfolgern und Kämpfen. Wenn die Demo zeigt, dass Ermittlungen und RPG-Systeme organisch ineinandergreifen, kann die Verschiebung sogar helfen. Dann wirkt 2027 nicht wie Ausweichen, sondern wie zusätzliche Entwicklungszeit für ein ungewöhnliches Paket.
Level-5 hat zuletzt schon bewiesen, dass lange Entwicklungswege nicht automatisch schlecht enden müssen. Beim neuen Professor Layton zahlt sich ein konkreter Termin aus, weil er eine jahrelang schwebende Ankündigung wieder greifbar macht. Ähnlich könnte DecaPolice profitieren, wenn die Demo aus einer vagen Hoffnung ein spielbares Profil macht.
Ein voller Kalender für Level-5
Das Timing ist trotzdem eng. Die Tokyo Game Show 2026 wird für japanische Studios ohnehin ein dichter Schauplatz, und Level-5 tritt dort nicht mit nur einem Namen an. Neben DecaPolice stehen weitere Projekte im Rampenlicht, darunter Snack World Reloaded, Holy Horror Mansion und Layton. Nach der Nintendo Direct mit Metroid und Kirby ist die Erwartung an japanische Line-ups für 2027 noch einmal gestiegen.
Für Spieler ist die Verschiebung also doppeldeutig. Einerseits fällt ein weiterer Titel aus dem ohnehin starken Jahr 2026 heraus. Andererseits passt ein spätes, poliertes DecaPolice besser zu Level-5 als ein hektisch veröffentlichter Hybrid, der an seiner eigenen Idee scheitert. Gerade weil die Prämisse nicht alltäglich ist, braucht das Spiel ein klares erstes Erlebnis.
Besser spät als unscharf
Die nüchterne Einordnung lautet deshalb: 2027 ist enttäuschend, aber kein schlechtes Zeichen, solange die TGS-Demo Substanz zeigt. DecaPolice hat mit DECASIM, Beweiswand, Ermittlerteam und überzeichneten Verbrechensmonstern genug Identität, um aus dem Rollenspieljahr herauszustechen. Jetzt muss Level-5 beweisen, dass daraus kein Sammelsurium wird.
Wenn die Demo trägt, könnte DecaPolice im kommenden Jahr einer der spannenderen japanischen Titel für Spieler werden, die mehr suchen als reine Kämpfe oder reine Rätsel. Weitere Meldungen zu solchen Veröffentlichungen findet ihr im Game-News-Hub.
Quelle: DECAPOLICE delayed to 2027
