Mit Kemuri hat das Tokio-Studio Unseen im aktuellen State of Play eine neue Action-IP für PS5 vorgestellt. Das Spiel setzt auf eine auffällig andere Mischung als viele Genre-Nachbarn: Statt klassischem Fantasy- oder Horror-Gewand kombiniert Kemuri urbane Dächer, paranormale Risse zwischen Leben und Tod und Yokai-Kräfte, die direkt in den Kampfstil der Figuren eingreifen. Der Release ist für 2027 geplant, ein genauer Termin fehlt noch.

Die Grundidee wirkt auf den ersten Blick vertraut, bekommt hier aber eine klare eigene Form. Schauplatz ist Kemuri City, eine vertikal gebaute Stadt, die laut Unseen am Rand zwischen Diesseits und Jenseits existiert. Dächer, Hinterhöfe und unterirdische Ruinen tragen die Erkundung spürbar mit. Das ist wichtig, weil Kemuri seine Stimmung stark über Bewegung, Perspektive und Raumgefühl aufbaut.

Eine Stadt, die mehr nach Konzept als nach Checkliste klingt

Gerade dieser Fokus macht die Ankündigung interessant. Unseen beschreibt Kemuri City als Ort, an dem Menschen Verlorenes wieder begegnen können. Daraus entsteht kein nüchterner Lore-Baustein, sondern eine klare thematische Linie: Die Stadt lebt von Erinnerungen, Restgefühlen und Übergängen. Yokai sind hier keine bloßen Monster aus dem Folklore-Regal, sondern Manifestationen menschlicher Emotionen und Gedanken. Das gibt dem Spiel eine ästhetische Richtung, die sich vom üblichen Dämonen-Actionmix angenehm absetzt.

Dazu passt, dass das Studio traditionelle Yokai ebenso erwähnt wie moderne, eigens für diese Welt entworfene Wesen. Für eine neue Marke ist das ein sinnvoller Ansatz. Kemuri muss sich nicht sklavisch an bekannte Vorlagen binden und kann trotzdem mit vertrauten Motiven arbeiten. Wenn diese Balance im fertigen Spiel hält, hätte Unseen gute Chancen, stilistisch aufzufallen und zugleich ein eigenes Regelwerk für seine Welt zu etablieren.

Yokai-Jagd, Verträge und Kleidung als Kampfsystem

Spieler übernehmen die Rolle eines Yokai-Hunters, der Wesen aufspürt, mit ihnen Verträge schließt und dadurch stärker wird. Die zentrale Idee dahinter heißt Possession Apparel: Besiegte oder gebundene Yokai geben ihre Kräfte als Skills frei und verändern über „getragene“ paranormale Eigenschaften zugleich Aussehen und Kampfweise der Figur. Das klingt nach mehr als einem kosmetischen Extra. Wenn Unseen das sauber umsetzt, könnte genau dieses System den größten Unterschied zu anderen Actionspielen machen.

Spannend ist auch das Werkzeug namens Foxwindow. Durch eine Handgeste öffnet der Spieler gewissermaßen den Blick auf Risse zwischen den Welten und erkennt verborgene Bereiche oder ganze Yokai-Reiche. Das ist ein starkes Motiv, weil es Erkundung und Atmosphäre direkt verbindet. Der paranormale Blick soll offenbar selbst Teil des Spielflusses werden. Genau solche klaren Kernmechaniken fehlen vielen Reveal-Trailern, hier benennt Unseen sie überraschend früh.

Solo spielbar, aber klar auf gemeinsames Erkunden angelegt

Kemuri lässt sich allein spielen, unterstützt aber auch Online-Co-op für bis zu drei Spieler. Laut Unseen soll das Zusammenspiel asymmetrisch wirken: Einer entdeckt, einer führt, einer setzt den finalen Treffer. Noch ist offen, wie fest diese Rollen im System verankert sind. Trotzdem zeigt die Formulierung, dass Co-op als echter Teil der Identität gedacht ist.

Damit reiht sich Kemuri gut in Sonys ungewöhnlich breit aufgestellte Showcase-Woche ein. Neben großen Marken wie God of War Laufey gab es auch kleinere bis mittlere Projekte mit klarer eigener Handschrift, etwa Bancho: The Chef oder das neue Material zu Onimusha: Way of the Sword. Wer den Rahmen der Präsentation nachlesen will, findet ihn in unserem Überblick zum State of Play vom 2. Juni.

Warum Kemuri trotz frühem Status schon hängen bleibt

Natürlich bleibt nach der Ankündigung noch vieles offen. Es gibt weder Gameplay-Tiefe noch Release-Fenster innerhalb von 2027, und auch bei Progression, Missionsstruktur oder Langzeitmotivation hält sich Unseen noch zurück. Trotzdem hinterlässt Kemuri einen stärkeren ersten Eindruck als viele Genre-Reveals, weil die Leitidee sofort lesbar ist: eine moderne Geisterstadt, ein klar benanntes Kernwerkzeug, Verträge mit Yokai und ein Kampfsystem, das über Kleidung und Kräfte sichtbar transformiert wird.

Für NyaGames-Leser ist das vor allem deshalb spannend, weil neue Actionmarken oft an Austauschbarkeit scheitern. Kemuri wirkt dagegen schon in dieser frühen Phase so, als wolle es Welt, Stil und Mechanik enger verzahnen. Wenn Unseen diesen Ansatz bis 2027 trägt, könnte daraus mehr werden als nur der nächste hübske Trailer-Fund der Showcase-Saison.

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Quelle: Defeat yokai or wield their powers in Kemuri, a new PS5 action game coming 2027