Das nächste Kapitel von Lies of P nimmt offenbar Form an: Laut aktuellem Quartalsbericht von Neowiz ist das Sequel in der Phase des „Vertical Slice“ angekommen und damit in einer entscheidenden Etappe der Produktion. Für Fans von Soulslike-Spielen ist das ein wichtiges Signal, weil es mehr ist als eine frühe Konzeptankündigung. Ein Vertical Slice steht in der Regel dafür, dass zentrale Bausteine wie Kampffluss, Art Direction und Progression als spielbarer Ausschnitt greifbar werden. Genau an diesem Punkt zeigt sich oft, ob ein Nachfolger nur größer werden soll oder auch klarer in seiner Vision.
Neowiz spricht im Report zugleich von einer „Full-Scale Development Phase“, führt aber konkret den Vertical Slice als aktuellen Stand. Das wirkt zunächst widersprüchlich, ist in der Praxis jedoch nicht unüblich: Studios skalieren Teams bereits hoch, während parallel ein repräsentativer Abschnitt für interne Freigaben und Priorisierung entsteht. Für Spieler heißt das vor allem: Das Projekt ist sichtbar weiter als reine Vorproduktion, aber noch nicht in einem Stadium, in dem Features, Umfang oder Release-Fenster belastbar kommuniziert werden.
Warum der Vertical Slice beim Lies-of-P-Sequel so wichtig ist
Ein starker Vertical Slice ist für ein Action-RPG oft der Moment, in dem Designentscheidungen hart aufeinanderprallen. Passt das Timing der Kämpfe? Tragen die Animationen das Treffergefühl? Funktionieren Levelaufbau und Gegnerdichte zusammen? Bei einem Spiel wie Lies of P, das sich im anspruchsvollen Soulslike-Segment behauptet hat, sind genau diese Fragen entscheidend.
Dass Neowiz diesen Status jetzt offen nennt, ist daher mehr als PR-Floskel. Es legt nahe, dass Kernsysteme bereits in einer Form existieren, die intern testbar ist. Wer die Debatten über Produktionsqualität, Scope und Nachhaltigkeit in großen Studios verfolgt, sieht darin einen nachvollziehbaren Zwischenstand statt einer bloßen Hype-Meldung. Im Kontext anderer Branchenmeldungen, etwa zu Capcoms KI-Grenzen bei Spielinhalten, wird außerdem deutlich, wie stark Produktionsprozesse derzeit unter Beobachtung stehen.
Neowiz plant mehr als nur einen Nachfolger
Spannend ist, dass Neowiz parallel weitere Projekte konkretisiert. „Project Windi“, ebenfalls als Soulslike-RPG beschrieben und mit der Regie von Kay Lee (u. a. Vindictus), wird im Prototyp-Stadium geführt. Zusätzlich befindet sich „Project Rubicon“, ein narratives RPG unter Leitung von Seungho Jin, ebenfalls im Vertical-Slice-Abschnitt.
Damit entsteht ein recht klares Bild: Neowiz will die starke Resonanz rund um Lies of P nicht nur mit einem Sequel verlängern, sondern sein Portfolio in verwandte Richtungen verbreitern. Für den Markt ist das relevant, weil viele Publisher aktuell zwischen Risikoabsicherung und kreativer Expansion balancieren. Vergleichbare Bewegungen sieht man auch bei Sega und dem Kurswechsel weg von Live-Service-Großwette, wenn auch mit anderem Fokus.
KI im Produktionsalltag: ein zusätzlicher Beobachtungspunkt
Neben den Projektständen sorgt ein weiterer Aspekt für Diskussionen: Round8 Studio, das Team hinter Lies of P, sucht laut öffentlich einsehbarer Stellenausschreibung eine Rolle im Bereich „AI Creator“. Genannt werden dort Aufgaben wie Konzeptentwürfe mit Bildgeneratoren und die Integration von KI-Tools in bestehende Art-Workflows.
Das ist noch kein Beleg dafür, wie stark solche Tools später sichtbar in den Spielen landen. Es zeigt aber, dass KI-gestützte Pipeline-Optimierung inzwischen auch bei mittelgroßen bis großen Teams praktisch eingeplant wird. Für Spieler ist das vor allem dann relevant, wenn Produktionsgeschwindigkeit, Konsistenz und Stil darunter leiden oder profitieren. Gerade in einem Genre, das von Atmosphäre und klarer visueller Handschrift lebt, dürfte dieses Thema weiter kritisch verfolgt werden. Einen ähnlichen Spannungsbogen hatten wir schon bei Subnautica 2 und der Positionierung gegen generative KI-Inhalte.
Was Fans jetzt realistisch erwarten können
Kurzfristig sind keine harten Gameplay-Enthüllungen bestätigt. Die aktuelle Lage deutet eher auf einen Produktionsmeilenstein hin als auf einen nahen Release. Wer auf konkrete Klassen, Bossdesigns oder Plattformtermine hofft, wird wahrscheinlich noch warten müssen. Gleichzeitig ist der Schritt in den Vertical Slice ein deutlich belastbareres Signal als viele frühere „Wir arbeiten dran“-Statements in der Branche.
Für die Community bedeutet das unterm Strich: Es gibt einen nachvollziehbaren Fortschritt beim Lies of P Sequel, aber weiterhin einen kontrollierten Informationsfluss. Das kann frustrierend wirken, ist aus Sicht der Entwicklung jedoch oft sinnvoll, solange das Fundament noch validiert wird.
Einschätzung
Neowiz kommuniziert hier keinen spektakulären Leak, sondern ein nüchternes Entwicklungs-Update – und genau das macht die Meldung wertvoll. Der Vertical-Slice-Status beim Sequel, plus zwei weitere RPG-Projekte in der Pipeline, zeigt strategischen Ausbau statt Einzelhit-Verwaltung. Entscheidend wird nun, ob das Studio bei Qualität und Stiltreue denselben Fokus hält, der das erste Lies of P für viele überhaupt erst relevant gemacht hat.
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