Manchmal braucht ein Spiel keine sofortige Fortsetzung, um relevant zu bleiben. NieR: Automata ist dafür das vielleicht eindrucksvollste Beispiel der jüngeren Spielgeschichte: 2017 erschienen, vom damaligen Publisher Square Enix mit eher bescheidenen Erwartungen auf den Markt gebracht, und seitdem nicht mehr aus dem kollektiven Bewusstsein der Spielerschaft verschwunden. Jetzt hat das philosophisch aufgeladene Action-RPG von PlatinumGames einen neuen Meilenstein erreicht – und lässt die Fangemeinde gleichzeitig mit einer vielsagenden Botschaft zurück.
Square Enix hat offiziell bestätigt, dass NieR: Automata weltweit die Marke von 10 Millionen verkauften Einheiten durchbrochen hat. Anlass für diese Meldung war ein ausführliches Feier-Video auf dem offiziellen Square Enix YouTube-Kanal, das die gesamte Geschichte des Spiels seit seiner Erstveröffentlichung Revue passieren ließ: Cameo-Auftritte in anderen Games, Spin-offs, Kollaborationen mit Mobiletiteln, Anime-Adaptionen – ein ganzes Ökosystem, das um ein einziges Spiel gewachsen ist. Noch im Dezember 2024 stand die Verkaufszahl bei 9 Millionen, womit die letzte Million in vergleichsweise kurzer Zeit dazugekommen ist.
Was dieses Jubiläumsvideo jedoch wirklich unvergesslich macht, ist sein letzter Satz. Als die Zusammenfassung der vergangenen Jahre ihrem Ende entgegenging, erschien auf dem Bildschirm eine schlichte, aber unmissverständliche Botschaft: „Nier Automata will continue." Begleitet von neuer Artwork, die parallel auf den offiziellen Social-Media-Kanälen des Spiels veröffentlicht wurde, ließ Square Enix damit nichts dem Zufall überlassen. Was genau diese Fortsetzung bedeutet – ein direktes Sequel, eine neue Kollaboration, DLC, oder etwas ganz anderes – verriet das Studio freilich nicht.
Die Spekulationen sind dabei alles andere als grundlos. NieR: Automata ist ein Spiel, das trotz seines Alters kaum an Strahlkraft verloren hat. Die Kollaborationen mit anderen Franchises sorgen dabei regelmäßig für neue Aufmerksamkeit: Als das Mobile-RPG Goddess of Victory: Nikke eine NieR: Automata-Kollaboration ankündigte, verzeichnete das Spiel einen Umsatzanstieg von 215 Prozent und übersprang damit die Marke von 500 Millionen US-Dollar Gesamtumsatz. Das sind Zahlen, die selbst für ein gut etabliertes Mobilegame außergewöhnlich sind – und ein Zeugnis dafür, wie emotional aufgeladen die Verbindung der Fans zu 2B, 9S und ihrer mechanischen Welt auf dem verwüsteten Planeten ist.
Umso bitterer wirkt der Blick auf die zuletzt enttäuschenden Versuche, das NieR-Universum auf Mobile zu übertragen. Nier: Reincarnation, das 2021 als mobiler Ableger startete, wurde 2024 abgeschaltet und ist seitdem nicht mehr spielbar. Tencent cancelte zeitgleich ein weiteres, bislang unangekündigtes Nier-Mobile-Projekt, das laut Berichten „Schwierigkeiten hatte, eine Monetarisierung zu finden, die seine hohen Kosten rechtfertigt." Zwei Mobileprojekte, zwei Fehlschläge – ein deutliches Signal, dass das NieR-Franchise im Free-to-Play-Markt nicht so leicht gedeiht wie in Form von vollwertigen Konsolentiteln.
Und dann ist da noch Yoko Taro, der exzentrische Kreativkopf hinter dem NieR-Universum. Der Regisseur, der meist eine riesige Cartoon-Maske trägt und Interviews mit schrägen Aussagen über das Elend des Spielemachens würzt, ist seit dem Nier Replicant-Remake von 2021 kaum öffentlich in Erscheinung getreten. Noch im vergangenen Jahr sprach er offen darüber, dass mehrere Projekte, an denen er beteiligt war, mittendrin gestrichen wurden. Das klingt nach Frustration – und doch könnte die gestrige Ankündigung genau jene Wende bedeuten, auf die seine Fans sehnsüchtig gewartet haben. Ähnliches kennen Fans von anderen großen Franchises: Auch das God of War-Universum ließ seine Community lange mit vagen Signalen hinhalten, bevor konkrete Neuigkeiten folgten.
Für die breitere Gaming-Industrie ist der Erfolg von NieR: Automata auch ein interessantes Gegenbeispiel zu aktuellen Debatten darüber, wie Spiele langfristig Relevanz aufrechterhalten – eine Frage, die angesichts des wachsenden Aufmerksamkeitswettbewerbs in der Gaming-Industrie immer drängender wird. Hier ist ein Spiel, das ohne massive Marketingmaschinerie, ohne Season Passes und Battle Passes, durch schiere kreative Stärke fast ein Jahrzehnt nach seinem Release noch immer Einheiten bewegt.
Mein Fazit: „Nier Automata will continue" ist genau die Art von Botschaft, die Fans verrückt macht – und das ist vermutlich Absicht. Square Enix weiß, was sie haben. Ob es ein vollwertiges Sequel, eine neue Kollaboration oder etwas völlig Unerwartetes wird, spielt momentan fast keine Rolle. Die Marke lebt, Yoko Taro ist offenbar wieder dabei, und 10 Millionen Spielerinnen und Spieler weltweit werden gespannt auf den nächsten Schritt warten. Ich auch.
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Quelle: Eurogamer – Nier Automata Future Developments Teased*
