Path of Exile 2 soll noch in diesem Jahr als Version 1.0 erscheinen. Das hat Game Director Jonathan Rogers in einem Pressebriefing zur kommenden Early-Access-Version 0.5.0 („Return of the Ancients“) bestätigt. Der Plan: ein Full Release nach der ExileCon im November in Neuseeland. Gleichzeitig dämpft das Studio aber Erwartungen bei einem zentralen Punkt: Nicht alle ursprünglich angepeilten zwölf Klassen müssen zwingend zum 1.0-Start fertig sein.

Für viele in der Community ist das eine wichtige Weichenstellung. Die Frage „lohnt sich Path of Exile 2 auf PC?“ hängt aktuell stark davon ab, ob das Spiel zum Release wirklich wie ein vollständiges Paket wirkt – nicht nur bei Umfang, sondern auch bei Build-Vielfalt und Endgame-Motivation. Genau dort setzt Grinding Gear Games jetzt die Prioritäten.

Warum das Endgame gerade wichtiger ist als Klasse Nummer 12

Rogers beschreibt 0.5.0 als letzten großen Early-Access-Schritt vor 1.0. Der Hintergrund: Das Team will vor dem Release vor allem das Endgame absichern, weil sich genau dort entscheidet, wie tragfähig ein Live-ARPG über Monate bleibt. Neue Atlas-Bereiche, zusätzliche Queststränge im Endgame und überarbeitete Systeme sollen die bisher oft kritisierte Struktur stärken.

Die Botschaft ist klar: Acts und Kampagnen-Inhalte kann das Studio intern planen und liefern, beim Endgame braucht es echtes Spielerfeedback. Wenn diese Änderungen nicht gut ankommen, würde Grinding Gear laut Rogers weiter iterieren, selbst wenn das den 1.0-Termin verschiebt. Für ein Spiel, das langfristig von Saisons, Builds und Theorycrafting lebt, ist das ein nachvollziehbarer Fokus.

Was beim Kampagnenumfang schon feststeht

Aktuell fehlen in Path of Exile 2 noch zwei komplette Akte, um auf die angepeilten sechs zu kommen. Laut Rogers sind Act 5 und Act 6 aber bereits weit fortgeschritten. Besonders bei Umgebungen sei ein großer Teil der Arbeit erledigt, offen seien vor allem Bosse, Feinschliff und Playtests.

Das ist relevant, weil viele Early-Access-Spieler zuletzt befürchtet hatten, dass die starke Endgame-Fokussierung andere Baustellen verdrängt. Die neuen Aussagen deuten eher auf das Gegenteil hin: Kampagnenarbeit lief parallel weiter, während 0.5.0 als technischer und spielerischer Belastungstest für den späteren Live-Betrieb dient.

Klassen-Plan wird flexibler – und das ist kein kleines Detail

Der größere Einschnitt betrifft die Charakterklassen. Ursprünglich standen zwölf Klassen im Raum. Derzeit sind acht spielbar, darunter Warrior, Ranger, Sorceress und Druid. Rogers sagt offen, dass 1.0 nicht zwingend alle verbleibenden Klassen enthalten muss, solange sich das Gesamtspiel vollständig anfühlt.

Diese Argumentation dürfte unterschiedlich aufgenommen werden. Positiv gelesen priorisiert Grinding Gear Qualität statt Checklisten: lieber weniger Klassen, die komplett mit Ascendancies, Skills und Balance funktionieren, als halbfertige Optionen zum Launch. Kritischer betrachtet kann ein reduzierter Klassenkader gerade für Veteranen weniger Build-Experimente bedeuten – also genau den Bereich, der Path of Exile traditionell auszeichnet.

Entscheidend wird deshalb nicht nur die absolute Zahl sein, sondern wie klar die vorhandenen Klassen verschiedene Spielstile abdecken. Wenn Melee-, Range-, Minion-, Caster- und Hybrid-Fantasien sauber bedient werden, könnte die kleinere Auswahl weniger stark ins Gewicht fallen als befürchtet.

Plattformen, Modell und Release-Risiko

Patch 0.5.0 erscheint laut Eurogamer am 29. Mai für PC, PS5 und Xbox Series X/S. Der Early Access bleibt zunächst kostenpflichtig, der finale Release soll dann wieder dem bekannten Free-to-Play-Modell folgen.

Das größte Risiko für den Jahresplan bleibt laut Studio die Resonanz auf das neue Endgame. Genau daran hängt, ob aus dem „wir peilen 2026 an“ tatsächlich ein belastbarer Termin wird. Für Beobachter ist das immerhin transparenter als vage Marketingfenster: Grinding Gear knüpft den Release offen an ein Qualitätskriterium.

Einordnung

Grinding Gear Games setzt mit Path of Exile 2 auf einen pragmatischen Kurs: erst Endgame stabilisieren, dann 1.0 ausrollen – notfalls mit weniger Klassen als ursprünglich versprochen. Das kann funktionieren, wenn die vorhandenen Klassen tief genug sind und das neue Endgame die Langzeitmotivation trägt. Misslingt dieser Test, wird der Release-Plan erneut wackeln. In beiden Fällen ist klar: Die kommenden Wochen mit Patch 0.5.0 entscheiden, ob aus einer starken Early-Access-Basis ein überzeugender Vollrelease wird.

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Quelle: Path of Exile 2 aims for a full 1.0 release this year, but not all of the promised character classes will make it