Pillars of Eternity gehört zu den Rollenspielen, die den klassischen CRPG-Boom der letzten Dekade mit angeschoben haben. Umso ungewöhnlicher ist die aktuelle Nachricht: Mehr als elf Jahre nach Release hat Obsidian dem Spiel auf dem PC einen vollständigen Rundenmodus spendiert. Laut Eurogamer ist das Update jetzt live und lässt sich entweder beim Start eines neuen Durchgangs auswählen oder sogar während des Spielens in den Menüs umschalten. Für ein so altes RPG ist das keine kleine Komfortfunktion, sondern ein erstaunlich großer Eingriff in die Struktur der Kämpfe.

Das Thema ist auch deshalb spannend, weil sich der Markt seit 2015 stark verändert hat. Taktische Systeme mit klar lesbaren Zügen sind heute viel breiter akzeptiert als noch vor einigen Jahren, nicht zuletzt wegen des Erfolgs von Baldur’s Gate 3. Wer sich zuletzt gefragt hat, ob sich Pillars of Eternity auf PC lohnt, bekommt damit plötzlich einen neuen Grund, das Spiel noch einmal anzusehen.

Was das Update laut Bericht konkret bringt

Eurogamer verweist auf die offizielle Update-Mitteilung bei Steam. Dort ist von einem vollwertigen Turn-Based-Modus die Rede, dessen Züge von der Geschwindigkeit der Charaktere beeinflusst werden. Sehr schnelle Figuren können in einer Runde also unter Umständen häufiger handeln als langsamere Begleiter oder Gegner. Genau dieser Punkt klingt unscheinbar, macht aber klar, dass Obsidian nicht bloß eine starre Stop-and-Go-Variante eingebaut hat.

Wichtig ist außerdem die Flexibilität beim Umschalten. Der neue Modus muss nicht zwingend an einen kompletten Neustart gebunden sein, sondern kann laut Bericht auch in laufenden Spielständen aktiviert werden. Gerade bei langen Rollenspielen senkt das die Hürde enorm. Spieler müssen ihren Fortschritt nicht opfern, nur um das neue Kampftempo auszuprobieren.

Neben dem Kampfsystem bringt das Update laut Eurogamer weitere Anpassungen und Fixes mit. Genannt wird außerdem, dass die koreanische Lokalisierung nun in allen Versionen verfügbar und aktualisiert wurde. Die Schlagzeile bleibt aber klar der neue Modus, weil er die Wahrnehmung des Spiels stärker verändern dürfte als jede einzelne Fehlerbehebung.

Warum Obsidian diesen Schritt gerade jetzt geht

Ganz aus dem Nichts kommt die Entscheidung nicht. Schon Pillars of Eternity 2: Deadfire erhielt 2019 einen Rundenmodus, weshalb der erste Teil nun fast wie ein fehlendes Puzzlestück wirkte. Dazu kommt, dass Obsidian mit Avowed zuletzt wieder Aufmerksamkeit auf die Welt Eora gelenkt hat. Wer über Avowed und Obsidians aktuellen Kurs spricht, landet schnell wieder bei den Wurzeln des Studios im klassischen Rollenspiel.

Für Obsidian ist das Update deshalb mehr als Nostalgiepflege. Es hält eine ältere Marke sichtbar, ohne gleich ein Remaster oder eine große Neuveröffentlichung anzukündigen. Gerade in einer Zeit, in der Studios ihre Archive oft nur noch monetarisieren oder schlicht liegen lassen, wirkt so ein nachgereichter Systemumbau fast angenehm altmodisch.

Was der Rundenmodus für Spieler praktisch verändert

Der wichtigste Vorteil liegt in der Lesbarkeit. Das ursprüngliche Echtzeit-mit-Pause-System hatte Fans, konnte neue Spieler aber auch abschrecken, weil Kämpfe gerade in unübersichtlichen Situationen hektischer wirkten als sie strategisch eigentlich sein sollten. Ein Rundenmodus entschleunigt genau diese Momente. Fähigkeiten, Positionierung und Prioritäten lassen sich sauberer planen.

Das dürfte vor allem zwei Gruppen ansprechen. Erstens Rückkehrer, die das Spiel mochten, aber mit dem Kampffluss nie ganz warm wurden. Zweitens Spieler, die durch moderne CRPGs erst später ins Genre eingestiegen sind und nun einen zugänglicheren Weg zurück zu einem Klassiker bekommen. Auch deshalb passt die Meldung gut in eine Phase, in der ältere Rollenspiele wieder stärker diskutiert werden, ob bei KOTORs unsicherer Zukunft oder bei der Rückkehr alter Inhalte wie in unserem Artikel zur restaurierten New-Vegas-Endszene.

Keine Revolution, aber ein selten sinnvoller Spät-Patch

Natürlich macht der neue Modus aus Pillars of Eternity kein anderes Spiel. Story, Welt, Questdesign und die grundsätzliche Struktur bleiben dieselben. Wer mit dem Setting oder dem Schreibstil des Spiels nie etwas anfangen konnte, wird wohl auch jetzt nicht plötzlich bekehrt. Der Patch zielt eher darauf, eine bestehende Stärke für ein breiteres Publikum neu zugänglich zu machen.

Genau deshalb ist die Nachricht interessanter, als sie zunächst klingt. Ein elf Jahre altes RPG bekommt hier nicht bloß kosmetische Pflege, sondern eine Systemoption, die den Einstieg, die Bedienbarkeit und das gesamte Kampfgefühl neu rahmen kann. Das ist im besten Sinn die Art Update, die man von alten Lieblingsspielen viel öfter sehen würde.

Einschätzung

Ich finde den Schritt überraschend sinnvoll. Obsidian verkauft hier keinen großen Neuanfang, sondern verbessert sehr gezielt einen Punkt, der für viele Spieler immer eine Einstiegshürde war. Wenn der Modus technisch sauber funktioniert, könnte genau dieses späte Update dafür sorgen, dass Pillars of Eternity 2026 mehr Aufmerksamkeit bekommt als in manchem Jahr direkt nach seinem Release.

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Quelle: 11 years later, Obsidian’s Pillars of Eternity gets a turn-based combat mode, making it a little bit more like Baldur’s Gate 3