Ubisoft baut das Rainbow Six-Universum weiter aus, aber diesmal nicht über einen neuen PvP-Hook für Siege. Stattdessen wurde auf der gamescom Opening Night Live mit Rainbow Six Tactics ein rundenbasiertes Solo-Taktikspiel angekündigt. Das ist mehr als ein bloßer Markenableger, weil Ubisoft bekannte Operator in ein neues Genre versetzt und den typischen Siege-Gedanken aus Vorbereitung, Sichtlinien und Durchbrüchen gezielt in ein entschleunigtes Format überträgt. Für Fans taktischer Spiele ist genau das der spannende Punkt: Hier wird nicht einfach nur geschossen. Geplant, kombiniert und improvisiert werden soll ebenso.

Laut offizieller Ankündigung übernehmt ihr die Rolle von Six, also der Führungsperson des Rainbow-Teams. Von dort aus wählt ihr Einsätze aus, wertet Informationen aus und stellt für jede Mission einen Trupp aus bis zu vier Operatorn zusammen. Ubisoft spricht von insgesamt 15 Operatorn mit eigenen Fähigkeiten, spezialisierten Gadgets und individuellen Talentbäumen. Dazu kommen mehr als 45 Schauplätze weltweit sowie klassische Einsatztypen wie Geiselrettung, Bombenentschärfung und Zieleliminierung. Schon diese Eckdaten zeigen, dass Rainbow Six Tactics kein kleines Nebenprojekt mit drei Karten sein soll. Ubisoft zielt klar auf einen vollwertigen Strategie-Ableger mit Kampagnenstruktur.

Siege-DNA bleibt erkennbar

Entscheidend ist aber, wie sehr das Spiel an die Identität der Reihe anknüpft. Ubisoft betont ausdrücklich zerstörbare Umgebungen, neue Sichtachsen durch gesprengte Wände und die Bedeutung von Vorbereitung vor dem Zugriff. Wer zuletzt Operation Split Fire mit Operator Noor verfolgt hat, erkennt die Linie sofort wieder: Das Studio denkt Rainbow Six weiter über Raumkontrolle, Gegenmaßnahmen und Timing. Hier läuft das jedoch nicht in Sekundenbruchteilen eines Online-Matches ab. Es ist als planbare Rundentaktik angelegt, in der jede Entscheidung mehr Gewicht bekommt.

Gerade das könnte der größte Reiz sein. Siege lebt seit Jahren davon, dass Kartenwissen, Gadgets und Teamabsprachen wichtiger sind als rohe Reflexe. Im Multiplayer geht diese Tiefe aber oft im Stress des Matches unter oder bleibt für Gelegenheitsspieler schwer zugänglich. Rainbow Six Tactics hat die Chance, dieselben Grundideen lesbarer zu machen. Wer Fronten öffnet, Deckung entfernt oder Gegner in einer vorbereiteten Breach-Aktion gleichzeitig ausschaltet, versteht das System intuitiver und kann es bewusster auskosten.

Breach Planning ist der clevere Kniff

Besonders interessant klingt deshalb der sogenannte Breach-Planning-Modus. Ubisoft beschreibt ihn als System für koordinierte Aktionen, bei denen euer aktiver Trupp einen Angriff synchron ausführt. Genau dieser Mechanismus könnte den Unterschied zwischen generischer Rundentaktik und einem glaubwürdigen Rainbow Six-Ableger ausmachen. Statt Zug für Zug nur Positionen zu verschieben, soll ein Zugriff offenbar als abgestimmte Kettenreaktion funktionieren: Wand öffnen, Blendung setzen, Winkel abdecken, Raum sichern. Wenn das sauber umgesetzt wird, entsteht daraus ein Spielfluss, der trotz Rundenstruktur Druck und Dynamik behalten kann.

Hinzu kommt die Meta-Ebene zwischen den Einsätzen. Ubisoft nennt einen ausbaubaren Stützpunkt, Training für Operator und allgemeine Verbesserungen für das Team. Das deutet auf einen Fortschrittsbogen hin, der mehr bietet als bloße Mission-an-Mission-Abfolge. Gleichzeitig eröffnet das Freiheiten für unterschiedliche Spielstile. Wer lieber auf Aufklärung und Kontrolle setzt, kann andere Teams bauen als Spieler, die schnell Räume aufbrechen und Gegner aggressiv isolieren möchten.

Für Ubisoft ist das mehr als nur Fanservice

Strategisch passt die Ankündigung gut zur aktuellen Lage des Publishers. Ubisoft versucht seit Monaten, seine Marken klarer voneinander abzugrenzen und dennoch in gemeinsamen Ökosystemen zu halten. Auf der gamescom mit Rayman, Siege und Anno 117 war bereits sichtbar, dass das Unternehmen mehrere Reihen parallel neu sortiert. Rainbow Six Tactics erweitert diese Marke jetzt um ein Format abseits des laufenden Shooters und spricht damit eine andere Zielgruppe an: Leute, die Tüftelei, Übersicht und planbare Entscheidungen mögen.

Das ist auch deshalb relevant, weil Ubisoft bei Siege zuletzt weiter am Kernsystem gearbeitet hat, etwa mit Buffs für Hibana und Maverick. Ein Spin-off, das dieselbe Denkweise in ein Solo-Spiel überführt, kann der Marke langfristig Breite geben, ohne den laufenden Shooter zu verwässern. Natürlich bleibt offen, wie abwechslungsreich die Missionen am Ende wirklich ausfallen und ob die 15 Operator spielerisch genügend Unterschiede mitbringen. Die Ankündigung liefert dafür noch keinen finalen Beweis.

Trotzdem wirkt der erste Eindruck erstaunlich klar. Ubisoft hat eine bekannte Taktikmarke nicht einfach in XCOM-Verpackung gegossen. Der Reveal spricht gezielt über Breach-Angriffe, Zerstörung, Sichtlinien und Truppplanung. Genau diese Elemente entscheiden nun darüber, ob Rainbow Six Tactics ein spannender Strategie-Ableger oder nur ein Name mit Genrewechsel wird. Nach der Enthüllung wirkt die Richtung jedenfalls deutlich durchdachter, als man es bei einem schnellen Messe-Spin-off erwarten würde. Mehr aktuelle Meldungen aus demselben Bereich findet ihr im Game-News-Hub.

Quelle: Rainbow Six Tactics Revealed: A Turn-Based Tactical Experience