Manchmal kommt Nintendo einfach so um die Ecke und wirft eine Bombe in den Raum – ohne Vorwarnung, ohne große Ankündigung, einfach so. Genau das ist in dieser Woche passiert: Mitten im laufenden Spielebetrieb hat Nintendo eine Switch 2 Version von Xenoblade Chronicles X: Definitive Edition aus dem Hut gezaubert und dabei Fans des Monolith-Soft-Epos vollkommen kalt erwischt. Wer seit Monaten auf ein Lebenszeichen der Xenoblade-Reihe gewartet hat, kann jetzt aufatmen – das Warten hat ein Ende.

Das neue Release hört auf den sperrigen Namen Xenoblade Chronicles X: Definitive Edition – Nintendo Switch 2 Edition und reiht sich in eine wachsende Liste von Switch 1 Titeln ein, die Nintendo mit einem technischen Facelifting für die neue Konsole aufpoliert hat. Schon Super Mario Odyssey, The Legend of Zelda: Breath of the Wild, Kirby and the Forgotten Land und Animal Crossing: New Horizons haben diesen Weg beschritten – mit unterschiedlichen Konditionen, mal kostenlos, mal zu einem kleinen Aufpreis, mal zu einem deutlich gesalzeneren Preis, wenn zusätzliche Inhalte mitgeliefert wurden.

Wer bereits die Switch 1 Version von Xenoblade Chronicles X: Definitive Edition sein Eigen nennt, kommt diesmal mit 4,99 US-Dollar (bzw. 4,19 Britischen Pfund) davon. Für diesen Aufpreis gibt es 4K-Auflösung sowie bis zu 60 Bilder pro Sekunde im TV-Modus, während im Handheld-Betrieb 1080p und ebenfalls bis zu 60fps geboten werden. Das Upgrade ist dabei rein technischer Natur – zusätzliche Spielinhalte oder neue Features sucht man vergeblich. Wer die Konsole noch nicht besitzt, kann das Spiel natürlich auch als Vollversion direkt kaufen. Alle, die lieber auf physische Datenträger setzen, müssen sich noch etwas gedulden: Eine Retail-Version auf dem kleinen roten Switch-2-Modul soll am 16. April in den Handel kommen.

Die Frage, die sich bei dieser Art von Upgrade unweigerlich stellt, ist jene nach dem Preis. Während andere Upgrades in der Vergangenheit kostenlos an bestehende Besitzer ausgegeben wurden – etwa wenn der gebotene Mehrwert überschaubar war –, verlangt Nintendo hier einen kleinen Obolus. Wirklich überraschen darf das nicht, schließlich ist Nintendo für seine eigenwillige Preispolitik bekannt. Doch da der Betrag vergleichsweise moderat ausfällt, dürfte der Aufschrei in der Community diesmal überschaubar bleiben.

Grundsätzlich darf man dabei nicht vergessen, was Xenoblade Chronicles X: Definitive Edition überhaupt ist: ein aufwendig überarbeitetes Remaster des 2015er Wii-U-Titels, das Monolith Soft im vergangenen Jahr mit neuen Inhalten, überarbeiteten Systemen und verbesserter Optik ausgestattet hat. Eurogamer vergab damals vier von fünf Sternen und lobte das Spiel als “faszinierendes und mitreißendes” Erlebnis, auch wenn nicht alle Überarbeitungen als Verbesserung gewertet wurden. Die riesige Open World auf dem Planeten Mira, das komplexe Kampfsystem und das stundenlange Fortschreiten durch eine dichte Spielwelt – das alles profitiert nun spürbar von der höheren Bildrate und Auflösung, die die Switch 2 möglich macht.

Für die JRPG-Gemeinde ist das eine echte Freudenbotschaft, denn die Xenoblade-Reihe gehört zu den wenigen wirklich einzigartigen Franchises, die nur auf Nintendo-Plattformen zu finden sind. Wer sich zuletzt mit anderen großen RPGs beschäftigt hat – etwa mit dem kürzlich diskutierten Avowed-Crafting-Update von Obsidian, das zeigt wie wichtig Post-Launch-Pflege für RPGs ist – weiß, wie entscheidend technische Qualität für die Langzeitmotivation sein kann. Ein sauberes, flüssiges 60fps-Erlebnis in einer Welt dieser Größenordnung ist schlicht ein anderes Spielgefühl als die mitunter rucklige Performance älterer Hardware.

Und dann wäre da noch die Hoffnung der Fans auf weitere Xenoblade-Upgrades: In sozialen Netzwerken wird bereits lautstark nach einem Switch 2 Facelifting für Xenoblade Chronicles 2 gerufen – jenem epischen JRPG, das trotz polarisierendem Charakterdesign eine leidenschaftliche Anhängerschaft hat. Ob Nintendo diesen Wunsch erfüllt, bleibt abzuwarten. Mit dem heutigen Schachzug hat man zumindest gezeigt, dass die Reihe nicht vergessen wurde.

Mein persönliches Fazit: Fünf Dollar für schärfere Optik und butterweiche 60fps in einem ohnehin schon starken JRPG ist ein faires Angebot. Nintendo hätte das Upgrade zwar kostenlos herausgeben können – es sind schließlich keinerlei neue Inhalte enthalten –, aber bei diesem Preispunkt fällt es schwer, sich wirklich aufzuregen. Wer Xenoblade Chronicles X bereits kennt und liebt, wird nicht lange zögern. Und wer die Welt von Mira noch nicht erkundet hat, bekommt jetzt die technisch beste Version des Spiels auf einer der spannendsten Konsolen des Jahres. Das ist, trotz allem, ein guter Tag für Nintendo-Fans.


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Quelle: Eurogamer – Xenoblade Chronicles X Switch 2 Upgrade*