Ein gutes Gaming-Headset ist für viele Spieler genauso wichtig wie die Grafikkarte oder der Monitor – es verbindet dich mit der Klangwelt des Spiels, macht Kommunikation im Team möglich und sitzt im besten Fall stundenlang komfortabel auf dem Kopf. SteelSeries hat mit dem Arctis Nova 7X Wireless Gen 2 genau so ein Gerät im Angebot, und auf den ersten Blick sieht es vielversprechend aus: solide Verarbeitung, flexible Konnektivität, beeindruckende Audioqualität. Aber wie so oft steckt der Teufel im Detail – und hier hat er sich ausgerechnet im Mikrofon eingenistet.
Fangen wir mit dem Guten an, denn das gibt es reichlich. Die Verarbeitungsqualität des Arctis Nova 7X Wireless Gen 2 ist schlicht herausragend. Das Headset fühlt sich dicker und stabiler an als die meisten kabellosen Konkurrenten auf dem Markt, ohne dabei so massiv zu wirken, als trüge man einen Motorradhelm. Das liegt vor allem am bewährten SteelSeries-Kopfband mit Dehnfunktion: Es passt sich der Kopfform an und täuscht das Gehirn geschickt darüber hinweg, wie schwer das Gerät tatsächlich ist. Wer schon einmal ein Headset nach zwei Stunden Gaming wegen Druckgefühl abgenommen hat, weiß genau, warum das kein kleines Feature ist.
Konnektivitätstechnisch bietet das 7X Wireless Gen 2 volle Flexibilität. Es verbindet sich entweder per Bluetooth mit Smartphones, Tablets oder anderen Geräten, oder über einen 2,4-GHz-Dongle mit USB-C-Anschluss. Letzterer macht das Headset zu einer durchaus attraktiven Wahl für den Steam Deck-Einsatz, wo Qualitäts-Headsets mit kabelloser 2.4-GHz-Verbindung und USB-C erfrischend selten sind. Für PC-Spieler, die ihren Arbeitsplatz sauber halten wollen und gleichzeitig keine Latenzkompromisse eingehen möchten, ist die Dual-Konnektivität ein echter Pluspunkt.
Und dann ist da natürlich der Klang. Das Arctis Nova 7X Wireless Gen 2 klingt, sowohl bei Spielen als auch bei Musik, schlicht fabelhaft. Der Sound ist kraftvoll und druckvoll, gleichzeitig aber erstaunlich detailreich – als könnte man die einzelnen Schichten eines Musikmixes oder die verschiedenen Geräuschebenen eines Shooters förmlich auseinanderziehen und separat hören. Für Spieler, die in Multiplayer-Titeln auf Footstep-Audio oder Richtungsklang angewiesen sind, ist das ein echter Vorteil. Auch für Musikhörer zwischen Gaming-Sessions ist die Klangqualität weit über dem Standard-Niveau.
Dann kommt das Mikrofon. Und hier bricht die Geschichte des Arctis Nova 7X Wireless Gen 2 leider zusammen. Das einfahrbare Mikrofon klingt in der Standardeinstellung schlicht schlecht: verschwommen, leicht dumpf, mit einer merkwürdigen Telefonqualität, die einem Discord-Partner das Gefühl gibt, man sitze in einer Blechdose. Die Begleit-Software bietet zwar EQ-Optionen und Regler, aber die oberflächlich zugänglichen Einstellungen helfen kaum. Die eigentlich hilfreichen Preset-Effekte, die den Klang deutlich verbessern, verstecken sich hinter einer Kontoanmeldepflicht. Sprich: Man muss SteelSeries seine E-Mail-Adresse geben, um das Mikrofon eines 180-Pfund-teuren Headsets auf ein akzeptables Niveau zu bringen. Für ein Gerät in dieser Preisklasse ist das eine Zumutung.
Dazu kommen die Ohrmuscheln: Sie sind gerade groß genug, um die meisten Ohren zu bedecken, aber nach einer Stunde Gaming beginnt der seitliche Druck merklich zu werden. Wer empfindlich auf Headset-Druck reagiert, wird das als ernstes Problem empfinden. Und wenn man bedenkt, dass das Headset für etwa 180 Pfund (umgerechnet rund 215 Euro) aufgerufen wird, wirken diese Schwächen umso schwerer.
Als direkte Alternative empfehlen die Kollegen von Rock Paper Shotgun das günstigere Geschwistermodell, den Arctis Nova 3X Wireless – erhältlich für weniger als die Hälfte des Preises. Der klingt laut Test ebenfalls gut, wiegt weniger und – vor allem – hat ein Mikrofon, das schon ohne Kontoregistrierung ordentlich klingt. Das ist ein ziemlich vernichtendes Urteil für das Topmodell.
Mein Fazit: Das SteelSeries Arctis Nova 7X Wireless Gen 2 ist ein technisch beeindruckendes Headset mit einem echten Achillesverse. Der Klang ist erstklassig, die Verarbeitung tadellos, die Konnektivität vorbildlich. Aber wer regelmäßig mit Teamkollegen spricht – und sei es nur im Casual-Multiplayer – wird sich über das Mikrofon ärgern, bis er sich durch Registrierungshürden gearbeitet hat. Für einen Gaming-PC-Setup, bei dem das Headset primär zum Musik hören und Einzel-Spieler-Gaming eingesetzt wird, könnte das durchaus reichen. Für alle anderen ist der günstigere Nova 3X Wireless der vernünftigere Kauf – ähnlich wie bei Gaming-Hardware generell gilt: Der teuerste Preis bedeutet nicht automatisch das beste Gesamtpaket. Und wenn du gerade deinen Gaming-Arbeitsplatz aufbaust, lohnt es sich, auch bei Spielen auf aktuelle Preise zu achten – Hardware und Software-Kosten schneiden sich eben oft tiefer ins Budget, als man plant.
Mehr Tests und Einordnungen findest du im Hub Reviews.
